Museum

Der verzauberte Berg: Dauer- und Sonderausstellung

Auseinandersetzung Mensch-Berg

Das Herzstück des Messner Mountain Museums, MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron bei Bozen, thematisiert die Auseinandersetzung Mensch-Berg. Zwischen Schlern und Texelgruppe draußen – Kunst, Installationen, Reliquien drinnen – gibt die großräumige Anlage einen Parcours vor. Die Wege, Treppen, Türme führen die Besucher aus der Tiefe der Gebirge, wo Entstehung und Ausbeutung der Berge nachvollziehbar werden, über die religiöse Bedeutung der Gipfel als Orientierungshilfe und Brücke zum Jenseits, bis zur Geschichte des Bergsteigens und zum alpinen Tourismus unserer Tage.

Sonderausstellung 2017

BERGE AUS DEM ALL

„Wissen für morgen“ – das ist das Motto des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Knapp achttausend Mittarbeiter aus sechzig Nationen forschen und entwickeln in den Bereichen Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr und Sicherheit.
Diese Bilder sind auch ein Beispiel internationaler Zusammenarbeit. So haben die CNES, unser französisches Pendant, und der Airbus-Konzern in großem Umfang Satellitendaten für uns aufgezeichnet: Die meisten der Geländemodelle wurden auf Basis von Aufnahmen der Pléiades-Satelliten berechnet. Die resultierenden Bilder lassen ahnen, was Satelliten leisten können. Die Erdbeobachtung liefert uns tagesaktuell ein genaues Bild von den entferntesten Orten der Erde. Satelliten messen die Luft- und Wasserqualität, beobachten den Zustand der Vegetation, erstellen hochgenaue Geländemodelle und detektieren Bewegungen der Erdoberfläche im Millimeterbereich. Es sind nur einige wenige exemplarische Beispiele aus der Arbeit des Earth Observation Center des DLR.
Wie wichtig diese Fähigkeiten der Erdbeobachtung sind, zeigt sich regelmäßig bei Naturkatastrophen. Satelliten ermöglichen schnelle und großflächige Schadenanalysen der betroffenen Gebiete. Über Jahrzehnte hinweg liefern sie Daten der Erdoberfläche und machen auch das sichtbar, was unseren Augen ansonsten verborgen bleibt. Wie im Zeitraffer werden kleinste Veränderungen unserer Umwelt sichtbar. Gerade die Hochgebirge unserer Erde sind sensitive Ökosysteme, die auf Umweltveränderungen empfindlich reagieren. Ihnen muss unser besonderes Augenmerk gelten – nicht nur aus dem All. Wenn es uns gelingt, aus diesen Informationen gesellschaftliches Handeln abzuleiten, haben wir unser Motto erfüllt: Wissenschaft, die Wissen schafft für eine lebenswerte Zukunft. Um diese Ziel zu erreichen, muss sich die Wissenschaft der Gesellschaft gegenüber weiter öffnen und interdisziplinäre Grenzen überwinden. Ungewöhnliche und faszinierende Projekte wie dieses sind ein Schritt in diese Richtung.

Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund
Vorstandsvorsitzender des Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Öffnungszeiten: Die Ausstellung kann während der gesamten Saison 2017, vom 19. März bis zum 12. November, besichtigt werden. Das Museum ist von
10 bis 18 Uhr geöffnet, letzter Einlass 17 Uhr, Donnerstag Ruhetag.

Ich habe beim Bergsteigen nie zwei Schritte auf einmal gemacht. Wenn man Grenzen verschieben will, muss man dies langsam tun, stetig und ruhigen Fußes, Schritt für Schritt. Wer in Eile Stufen überspringt, wird früher oder später stolpern.Reinhold Messner

Schloss Sigmundskron: Historie & Burgsanierung

Formicaria

Die Burg thront auf einem Porphyrausläufer des Mitterbergs über dem Zusammenfluss von Etsch und Eisack. Sigmundskron war immer eine besondere Burg: eine der ältesten Südtirols, mit ihren bis zu fünf Meter dicken Mauern ein frühes Zeugnis der Festungsbaukunst. Die ersten geschichtlichen Erwähnungen unter dem Namen “Formicaria” (später “Formigar”) stammen aus dem Jahre 945. Kaiser Konrad II. übergab die Anlage 1027 dem Bischof von Trient. Im 12. Jahrhundert wird die Burg Ministerialen überlassen, die sich von da an “von Firmian” nennen.
Um 1473 kauft der Landesfürst von Tirol, Herzog Sigmund der Münzreiche, die Burg, lässt sie zu einer Festung ausbauen und benennt sie um in Schloss Sigmundskron. Von der alten Burg Formigar bleiben nur noch bescheidene Reste übrig, die größtenteils auf dem höchsten Punkt des Festungsterrains gelegen sind. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten muss Sigmund die Burg bald darauf verpfänden. In der Folge verfällt die Anlage immer mehr. Ende des 18. Jahrhunderts gehört die Burg den Grafen Wolkenstein, 1807 bis 1870 den Grafen von Sarnthein, danach bis 1994 den Grafen Toggenburg.
Das Schloss ist ein wichtiges politisches Symbol für die Südtiroler: 1957 fand hier unter der Führung von Silvius Magnago die größte Protestkundgebung in der Geschichte des Landes statt. Über 30.000 Südtiroler versammelten sich in der Burganlage, um gegen die Nichteinhaltung des Pariser Vertrages zu protestieren und eine eigenständige Autonomie zu fordern („Los von Trient”). 1996 wurde die Ruine von der Autonomen Provinz Bozen erworben. Im Weißen Turm des Schlosses befindet sich eine Dauerausstellung über die Geschichte von Sigmundskron.

Der Burgbewahrer

In dem Architekten Werner Tscholl hat Messner einen Bruder im Geiste für die Burgsanierung und das Ausstellungskonzept gefunden. Tscholl, der auf die Restaurierung von Burgen spezialisiert ist, sieht sich als Bewahrer des Ursprünglichen. Auf Schloss Sigmundskron gelingt ihm eine besondere Herausforderung: Das historische Gemäuer zu erhalten, dabei aber so vorzugehen, dass alle Eingriffe zu jedem Zeitpunkt wieder rückgängig gemacht werden können.
Die neue Architektur bleibt dabei im Hintergrund und dient als Bühne. Die Glasdächer auf den Türmen sind beispielsweise von außen nicht sichtbar, genauso wenig wie Rohre, Strom- und Wasserleitungen. Als Materialien hat Tscholl ausschließlich Stahl, Glas und Eisen verwendet, moderne und gleichzeitig zeitlose Werkstoffe, die sich von den alten Mauern abheben.