Museum

Der verzauberte Berg: Dauer- und Sonderausstellung

Auseinandersetzung Mensch-Berg

Das Herzstück des Messner Mountain Museums, MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron bei Bozen, thematisiert die Auseinandersetzung Mensch-Berg. Zwischen Schlern und Texelgruppe draußen – Kunst, Installationen, Reliquien drinnen – gibt die großräumige Anlage einen Parcours vor. Die Wege, Treppen, Türme führen die Besucher aus der Tiefe der Gebirge, wo Entstehung und Ausbeutung der Berge nachvollziehbar werden, über die religiöse Bedeutung der Gipfel als Orientierungshilfe und Brücke zum Jenseits, bis zur Geschichte des Bergsteigens und zum alpinen Tourismus unserer Tage.

Sonderausstellung 2019

Bergsichten – Berggeschichten

Edward Harrison Compton
Er wurde am 11. Oktober 1881 als viertes Kind des bedeutenden englischen Gebirgsmalers Edward Theodore Compton in Feldafing am Starnberger See (Oberbayern) geboren.
Infolge der Ansteckung mit Kinderlähmung, die er mit 28 Jahren, also 1909 erlitt, waren für Edward Harrison Compton bald nur noch leicht zugängliche Motive wie das Alpenvorland mit seinen Tälern, Gebirgsbächen, Seen und Burgen oder malerische Städteansichten und südliche Landschaften möglich. Es entstanden vorwiegend Architektur- und Landschaftsdarstellungen aus Gegenden der bayerischen und oberitalienischen Vorgebirge (Berchtesgadener Land, Trient, Gardasee). Die Beeinträchtigungen nahmen allerdings von Jahr zu Jahr zu und zwangen ihn Anfang der 1920er Jahre in den Rollstuhl. Den Sommer 1923 verbrachte der Maler in Kirchberg nahe am Kaisergebirge. Die damals angefertigten Aquarelle und Zeichnungen dienten ihm später als Entwurfsvorlage für Gemälde, die an seinem Wohnort Feldafing entstanden, nachdem er, behindert durch seine Krankheit, keine Reisen mehr unternehmen konnte. Trotz seines restlichen Lebens im Rollstuhl schuf er großartige Werke und zählt unumstritten zu den bedeutendsten darstellenden Chronisten der Alpenwelt. Harrison Comptons Lebens- und Krankheitsgeschichte prägte und veränderte seine Sicht, seinen Blickpunkt, seine Perspektive auf die Berge.

Die 14 Achttausender im Relief
Wolfgang Pusch, 1975 in München geboren, ist seit seiner Jugend in den Bergen der Welt unterwegs und entdeckte sehr früh sein Interesse für Gebirgskartographie. Die Umsetzung dieser reizvollen Symbiose aus Wissenschaft und Kunsthandwerk gibt die Möglichkeit der dreidimensionalen Darstellung von Bergen und verändert die Herangehensweise und Perspektive auf die Berge.

Mountains – Die vierte Dimension
Dreizehn Berge, an denen Geschichte geschrieben wurde. Hier ereigneten sich menschliche Tragödien und wurden bergsteigerische Meisterleistungen erbracht, sie werden auf noch nie gesehene Weise präsentiert. Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entstanden auf Basis von Satellitenaufnahmen aus mehreren Hundert Kilometer Höhe hochgenaue digitale Abbilder der Berge. Aus den erstellten Geländemodellen schufen die Wissenschaftler schließlich am Computer fotorealistische Ansichten. So wurden „virtuelle“ Ansichten der Berge aus teils bislang nicht realisierbaren Perspektiven und Höhen möglich. Bilder, die den individuellen Charakter der Bergriesen einfangen und ihr hautnahes Erleben möglich machen – die dritte Dimension in einer neuen Qualität.
Stefan Dech, Nils Sparwasser und Reinhold Messner haben Berge ausgewählt, die aus geografischen, morphologischen, geologischen und klimatischen Gründen herausragend sind, die für Bergsteiger außergewöhnliche Herausforderungen darstellten und noch heute darstellen. Sie stehen für epochale Besteigungen, für neue Routen, atemberaubende Versuche, aber auch für das „Scheitern“ am Berg und für noch zu bewältigende Aufgaben und Visionen. Anhand dieser Berge lässt sich die Geschichte des Alpinismus verdichten. Diese Schlüsselberge bekommen damit eine zeitliche Komponente, eine weitere Ebene: die Berge dieser Welt also in vier Dimensionen.

Immer geht es um das Spannungsverhältnis Mensch/Berg.

Ich habe beim Bergsteigen nie zwei Schritte auf einmal gemacht. Wenn man Grenzen verschieben will, muss man dies langsam tun, stetig und ruhigen Fußes, Schritt für Schritt. Wer in Eile Stufen überspringt, wird früher oder später stolpern.Reinhold Messner

Schloss Sigmundskron: Historie & Burgsanierung

Formicaria

Die Burg thront auf einem Porphyrausläufer des Mitterbergs über dem Zusammenfluss von Etsch und Eisack. Sigmundskron war immer eine besondere Burg: eine der ältesten Südtirols, mit ihren bis zu fünf Meter dicken Mauern ein frühes Zeugnis der Festungsbaukunst. Die ersten geschichtlichen Erwähnungen unter dem Namen “Formicaria” (später “Formigar”) stammen aus dem Jahre 945. Kaiser Konrad II. übergab die Anlage 1027 dem Bischof von Trient. Im 12. Jahrhundert wird die Burg Ministerialen überlassen, die sich von da an “von Firmian” nennen.
Um 1473 kauft der Landesfürst von Tirol, Herzog Sigmund der Münzreiche, die Burg, lässt sie zu einer Festung ausbauen und benennt sie um in Schloss Sigmundskron. Von der alten Burg Formigar bleiben nur noch bescheidene Reste übrig, die größtenteils auf dem höchsten Punkt des Festungsterrains gelegen sind. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten muss Sigmund die Burg bald darauf verpfänden. In der Folge verfällt die Anlage immer mehr. Ende des 18. Jahrhunderts gehört die Burg den Grafen Wolkenstein, 1807 bis 1870 den Grafen von Sarnthein, danach bis 1994 den Grafen Toggenburg.
Das Schloss ist ein wichtiges politisches Symbol für die Südtiroler: 1957 fand hier unter der Führung von Silvius Magnago die größte Protestkundgebung in der Geschichte des Landes statt. Über 30.000 Südtiroler versammelten sich in der Burganlage, um gegen die Nichteinhaltung des Pariser Vertrages zu protestieren und eine eigenständige Autonomie zu fordern („Los von Trient”). 1996 wurde die Ruine von der Autonomen Provinz Bozen erworben. Im Weißen Turm des Schlosses befindet sich eine Dauerausstellung über die Geschichte von Sigmundskron.

Der Burgbewahrer

In dem Architekten Werner Tscholl hat Messner einen Bruder im Geiste für die Burgsanierung und das Ausstellungskonzept gefunden. Tscholl, der auf die Restaurierung von Burgen spezialisiert ist, sieht sich als Bewahrer des Ursprünglichen. Auf Schloss Sigmundskron gelingt ihm eine besondere Herausforderung: Das historische Gemäuer zu erhalten, dabei aber so vorzugehen, dass alle Eingriffe zu jedem Zeitpunkt wieder rückgängig gemacht werden können.
Die neue Architektur bleibt dabei im Hintergrund und dient als Bühne. Die Glasdächer auf den Türmen sind beispielsweise von außen nicht sichtbar, genauso wenig wie Rohre, Strom- und Wasserleitungen. Als Materialien hat Tscholl ausschließlich Stahl, Glas und Eisen verwendet, moderne und gleichzeitig zeitlose Werkstoffe, die sich von den alten Mauern abheben.